Studie 2018

Peter Liffler (1), Eva Milena Johanne Peters (2), Uwe Gieler (3)

Sensitivität und Atopie

Gibt es Hinweise auf Eigenschaften der „Sensory processing sensitivity" (SPS) bei atopisch veranlagten Persönlichkeiten? – Eine Untersuchung an Eltern Neurodermitis-kranker Kinder in stationärer Behandlung

 

(Zusammenfassung)

 

Fragestellung:

Klinisch erwecken die Eltern Neurodermitis-kranker Kinder oft den Eindruck der erhöhten Sensitivität. Untersucht wurde, ob die Eltern Eigenschaften der „Sensory processing sensitivity” (SPS) wie außergewöhnliche Wahrnehmung und Verarbeitung, Überempfindlichkeit auf äußere Reize, erhöhte Erregbarkeit und Überforderung zeigen.

 

Methode:

64 Eltern von Neurodermitis-kranken Kindern wurden deshalb mit dem HS-Test (Aron 1996) und drei bewährten Auskunftsfragebögen untersucht. Dabei wurden selbst atopisch veranlagte (n=44) mit nicht atopisch veranlagten Eltern verglichen (n=20). Außerdem wurden atopisch veranlagte Eltern von leicht Neurodermitis-kranken Kindern (n = 24) und atopisch veranlagte Eltern schwer Neurodermitis-kranker Kinder (n=20) mit nicht atopisch veranlagten Eltern Neurodermitis-kranker Kinder verglichen (n=20).

Ergebnisse: Der Vergleich von 44 atopisch-veranlagten Eltern mit 20 nicht atopisch-veranlagten Eltern zeigte bei den atopisch veranlagten Eltern eine signifikant höhere Empfindsamkeit, Erregbarkeit, eine stärkere Neigung zum esoterischen Denken und eine verringerte Frustrationstoleranz. Tendenziell signifikante Unterschiede zeigten atopisch veranlagte Eltern in drei weiteren Merkmalen: Die Grundstimmung war bedrückter, die Lebenszufriedenheit geringer und die Beanspruchung erhöht. Im Vergleich der atopisch-veranlagten Eltern leicht kranker Kinder mit atopisch-veranlagten Eltern schwer kranker Kinder fanden sich keine signifikanten Unterschiede.

 

Diskussion:

Atopisch veranlagte Eltern Neurodermitis-kranker Kinder zeigen Eigenschaften entsprechend dem Konstrukt der „sensory processing sensitivity“ (SPS). Der Einfluss dieser Eigenschaften auf Neurodermitis-kranke Kinder, insbesondere die erhöhte Responsivität (Aron u. Aron 1997; Boterberg u. Warreyn 2016), sollte im Rahmen weiterführender Studien untersucht werden.

 

Schlüsselwörter:

Atopische Dermatitis - atopisch veranlagte Eltern – Sensorische Verarbeitungsempfindlichkeit - SPS